Huftherapie Fallbeispiele

Hufkrebs – Proliferative Entzündung

Was meint „Hufkrebs“ ?

Unter der Bezeichnung Hufkrebs wird, vereinfacht formuliert, eine Hufsituation verstanden, in der die hornproduzierende Lederhaut mit Blutgefäßen und Nerven ein explosionsartiges Wachstum beginnt. Zum Teil vermischt sich die Hornproduktion mit den wuchernden Bereichen. Bei Berührung blutet es sehr leicht. Es sind verschiedene Behandlungsversuche Standard, wie z.B. verätzen, operieren oder Druck. Bei Hufkrebs handelt es sich nicht um ein bösartiges tumoröses Geschehen, wie der Begriff Krebs nahelegt, sondern um eine chronische, sogenannte Hypertrophie der Lederhäute. Hypertrophie beschreibt die Vergrößerung eines Organs oder eines Gewebes durch die Vergrößerung der Zellen. Nun kann man überlegen, warum macht das Gewebe im Huf in seltenen Fällen so etwas, warum vergrößern sich dort Zellen?

Welche Faktoren zusammenspielen

Zunächst und naheliegend ist es für uns, die Hufform zu kontrollieren, die die Lederhaut möglicherweise dazu anregt, sich „wehrhaft“ zu verhalten, zu vergrößern und etwas „sprengen“ zu wollen. Es gilt also unphysiologische Hufzustände zu erkennen, die die Lederhäute einzwängen. Je nach individueller Gesamtsituation können größere, aber auch kleinere Abweichungen von einer physiologischen Hufsituation mögliche Reizauslöser auf die Lederhaut sein. 

Das alleine kann es meist jedoch nicht sein. So ist es außerdem nötig, den Stoffwechsel überprüfen und entsprechend zu regulieren. Hier sind in vielen Fällen bereits Auffälligkeiten im Blutbild zu finden. Nähere weitere Analysen können weitere Themen aufdecken, in denen der Körper Unterstützung zur Regulation bedarf. 

Wenn man aufgeschlossen ist und nach psychosomatischen oder traumatischen Verknüpfungen schauen möchte, scheint es erfahrungsgemäß sinnvoll, die Psyche des Pferdes deutlich mit zu beachten z.b. unter dem Aspekt, was könnte ein „sich vergrößern“, ein „sich aus Situationen befreien“oder ein „sprengen“ wollen auslösen, was könnte zu einem versuchten „Ausbrechen“ aus einer Situation in den Lebenszusammenhängen des Pferdes führen mögen? Ganzheitliche Betrachtung heißt auch immer, Seele und Geist mit zu integieren. Vielfach wissen wir nicht, ob solche Themen im Hintergrund wirken. Es reicht auch, es einfach einmal gedanklich zulassen zu können, vielleicht ergeben sich wenn Behandlungen nicht greifen hier weitere Ansätze.

Ausgangssituation

In diesem Falle des damals über 20 jährigen Pferdes, ist sehr deutlich, dass neben einer begleitenden Stoffwechselunterstützung, sich der Hauptfokus auf die Hufsituation legte. Die völlig unter Druck und Quetschung befindliche Huflederhaut durch die Hornkapsel befand sich in einem sehr extremen Zwangt. Die Trachten wurden langjährig nicht gekürzt, die entsprechend mitgewachsenen Eckstreben und das Sohlenhorn fixierten den Huf deutlich. Natürlicher gesunder Hufmechanismus war so nicht mehr möglich. Das schließlich wuchernde Gewebe hat die Trachte weggesprengt. Fliegen haben hier bereits Eier in die Gewebebereiche gelegt.

Therapieverlauf

Neben der Hufkorrektur, die den extremen Zwang befreien und einen möglichst natürlichen Hufmechanismus möglich machen sollte, damit sich die Huflederhaut beruhigen kann, wurde der Stoffwechsel unterstützt. Außerdem mussten bei dieser extremen Hufstellung auch die Gelenke und die muskuläre sowie Sehnen-Bandapparat-Situation beachtet werden, die eine Umstellung jedoch sofort positiv angenommen haben. Die Deformationen der Hufkapsel und die Fehlstellung der Zehenknochen durch die langjährig extrem falsche Hufstellung sind noch zu sehen. Das Pferd hat jedoch nach Regeneration ein lauffreudiges Leben fortsetzten können. Der Hufkrebs ist bis ins Alter von über 30 völlig verschwunden und nie wieder gekommen.